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Was sich vor dem Hausbesuch telefonisch klären lässt

Ein Anruf ersetzt keine Beobachtung vor Ort. Als strukturierte Vorbereitung kann er den Einsatz aber deutlich entlasten.

Ältere Frau sitzt am Wohnzimmertisch mit einer Tasse Tee und telefoniert.

Warum ein Anruf vor dem Einsatz hilft

Viele ambulante Dienste telefonieren ohnehin, nur selten systematisch: vor Erstbesuchen, nach einer Krankenhausentlassung oder wenn Angehörige melden, dass sich etwas verändert hat. Auch vor einer Pflegevisite oder einem Beratungseinsatz nach § 37 Abs. 3 SGB XI hilft ein kurzer Leitfaden.

Der Unterschied ist praktisch. Wer vor der Tour weiß, dass eine Klientin seit zwei Tagen stärkere Schmerzen angibt und das Abendmedikament zweimal vergessen hat, plant den Einsatz anders: mehr Zeit, andere Reihenfolge, gegebenenfalls Rücksprache mit der Hausarztpraxis noch vor dem Besuch. Ohne diese Information beginnt die Klärung erst an der Wohnungstür.

Was sich telefonisch gut abfragen lässt

Die folgenden Punkte sind Selbstauskünfte. Sie ersetzen keine Untersuchung, geben aber eine belastbare Ausgangslage für den Besuch.

BereichBeispielfrage
AllgemeinbefindenWie geht es Ihnen heute? Hat sich seit dem letzten Besuch etwas verändert?
SchmerzenHaben Sie Schmerzen? Wo genau, und wie stark auf einer Skala von 0 bis 10?
MobilitätKönnen Sie wie gewohnt aufstehen und gehen? Gab es Stürze oder Beinahestürze?
Ernährung und TrinkenEssen und trinken Sie ausreichend? Haben Sie Appetit?
AusscheidungGibt es Probleme beim Wasserlassen oder beim Stuhlgang?
MedikamenteNehmen Sie Ihre Medikamente wie verordnet ein? Fehlt etwas?
Haut und WundenHaben Sie neue Wunden, Rötungen oder Schwellungen bemerkt?
TermineWaren Sie zwischenzeitlich beim Arzt? Wurde die Medikation geändert?
HilfsmittelFunktionieren Rollator, Pflegebett und die übrigen Hilfsmittel?
AnliegenGibt es etwas, worüber Sie heute mit der Pflegekraft sprechen möchten?

Sinnvoll ist, den Fragensatz pro Person zuzuschneiden. Bei einer Herzinsuffizienz gehören Gewicht und Atemnot dazu, nach einer Entlassung die konkreten Entlassinstruktionen. Alles Weitere bläht das Gespräch auf, ohne den Besuch besser vorzubereiten.

Was nur vor Ort beurteilt werden kann

Genauso wichtig ist die Gegenliste. Per Telefon lässt sich vieles nicht zuverlässig einschätzen:

  • Hautzustand
  • Wundheilung
  • Hygienezustand
  • tatsächliche Medikamenteneinnahme
  • Ödeme
  • Atemarbeit
  • Wohnumfeld und Sturzrisiken
  • Mobilität über die Selbsteinschätzung hinaus

Diese Punkte bleiben Aufgabe der Pflegefachkraft vor Ort. Ein Telefonat, das so tut, als könne es den Hautzustand beurteilen, schafft ein falsches Sicherheitsgefühl und ist im Zweifel ein Dokumentationsrisiko.

Wie die Angaben prüffest dokumentiert werden

Die Faustregel gilt am Telefon wie im Einsatz: Die Dokumentation besteht überwiegend aus objektiven Beobachtungen und durchgeführten Maßnahmen. Subjektives wird als solches gekennzeichnet, etwa mit den Formulierungen „Klient berichtet über“, „Klient gibt an“ oder „Klient äußert den Wunsch“.

Besser vermeiden

  • „Klient hatte bestimmt schlechte Laune.“
  • „Klient wirkte faul.“
  • „Klient wollte wahrscheinlich nicht aufstehen.“

Nachvollziehbar

  • „Klient lehnte die Mobilisation ab.“
  • „Klient gab Müdigkeit an.“
  • „Mobilisation nach Aufklärung nicht durchgeführt.“

Bei telefonisch erhobenen Angaben gehört die Quelle dazu. Ein Eintrag wie „Telefonische Selbstauskunft am 30.07., 09:31 Uhr: Klientin gibt Schmerzen im rechten Knie an, 5 von 10“ ist nachvollziehbar und prüffest. „Knieschmerzen 5/10“ ohne Zeitpunkt und ohne Quelle ist es nicht.

Was das im Alltag bringt

Zwei Effekte sind spürbar. Erstens ist die Tour besser geplant, weil bekannt ist, wo mehr Zeit nötig ist. Zweitens muss vor Ort weniger nacherhoben und nachgetragen werden, weil die Selbstauskünfte bereits strukturiert vorliegen und nur noch um die Beobachtungen ergänzt werden, die tatsächlich einen Besuch erfordern.

Lösungen wie FollowCare helfen dabei, die Pflegeeinsätze vorzubereiten und sinnvoll zu planen, und reduzieren die Dokumentationszeit. Die Fragen werden pro Person festgelegt, die Antworten kodiert und mit Zeitpunkt und Quelle abgelegt. Was am Telefon nicht zu klären ist, bleibt dort, wo es hingehört: beim Besuch.